Sie war nicht nur schön in einem eher landläufigen Sinn, sondern vielmehr interessant, mit ihren hohen Wangenknochen, ihrem makellosen Teint, den akkurat gezupften Augenbrauen. Sie benutzte kein Make-up, weil sie keines brauchte. Blass war sie, was ihre Vornehmheit noch unterstützte. So müsste die Frau aussehen, mit der er den Rest seines Lebens verbringen wollte.
Er rief sich selbst zur Ordnung. Dies hier war sein Job, und er würde diesen Job erledigen. Eine Zeugenbefragung, nichts als eine Zeugenbefragung.
Sie fuhr hoch, als der Kommissar mit zwei Pappbechern Kaffee zurückkam. "Milch und Zucker", fragte er, aber sie schüttelte den Kopf.
Seine Hand zitterte, als er ihr einen der Becher reichte. Sie bemerkte es nicht, sondern fing unvermittelt an. "Das erste, was ich immer dachte, wenn ich sie traf, war, dass sie drei, vier Zentimeter zu klein für ihr Gewicht war. Bei einem Meter und achtundfünfzig kannst du höchstens Kleidergröße sechsunddreißig tragen, sonst wirkst du rundlich."
Sie zögerte, nahm einen Schluck Kaffee. Dann fuhr sie fort.
"Sie ist meine Freundin. Wir sind durch viele Höhen und Tiefen gegangen. Kennengelernt haben wir uns durch ihren Bruder, mit dem ich vor vielen Jahren einmal liiert gewesen bin." Wieder brach sie ab.
Der Kaffee schmeckte nach Eifersucht. Wütend warf er den Pappbecher, der erst halb ausgetrunken war, in den Papierkorb, der unter seinem Schreibtisch stand. Ein Schwall bräunlich gefärbten Wassers ergoss sich über den Teppichboden.
Ihr Duft, es musste dieser Duft sein, der ihn verwirrte. Es war Jahre her, dass er dieses Parfüm gerochen hatte. Paris, von Yves Saint-Laurent. Er musste sich zusammenreißen, um nicht wie ein kleiner Hund die Luft zu schnuppern. Entschlossen drückte er die ‚REC'-Taste des Aufnahmegerätes.
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